Facetten des Niederdeutschen

Schnipsel


Alte Wörter: Krusephie


„De Goldlack un de Krusephie, de rükt he mal so nȩbenbi“, heißt es in Klaus Groths „Sandburs Tochder“ (GW 4,153) und in den Anmerkungen dazu: „Krusephie: Salbei“.
Vom Salbei gibt es unzählige Sorten. Gemeint ist hier wohl der Salvia officinalis `Crispa´, Krauser Gewürz-Salbei genannt.
Der Begriff war in Holstein unter verschiedenen Namen verbreitet (Krusephie, Kruserfie, Krusofie, Krussofie, Krusensofie, Krusafee, Krüsefie). Und ob mit dem Begriff auch immer dieselbe Pflanze gemeint ist, ist nicht sicher.
In der ersten Silbe steckt das Wort kruus `kraus´.
Der zweite Bestandteil ist eine Verdrehung des mittelniederdeutschen salvie `Salbei´, was sich aus dem lateinischen salvus `heil, gesund´ ableitet. Wie beim Kieler Straßennamen wurde aus unbekannt salvie die bekannte Sophie, aus Salvienblatt Sophienblatt. Und aus der gekräuselten Salbei die gekräuselte Sophie: Krussofie -> Krusephie.
Salbei spielte in der mittelalterlichen Medizin eine bedeutende Rolle und auch in den letzten Jahrhunderten: „Volksmedizin: Zähne und Zahnfleisch mit einem Salbeiblatt einreiben schützt vor Zahnweh und Skorbut.“ (Mensing III, Sp. 344)