Facetten des Niederdeutschen

Schnipsel


John Brinckman: Anmeihen


Bild: Simon Bening (um 1550) Quelle: Wikipedia

Die Gedichtsammlung „Vågel Griep“ handelt von Mecklenburg im vorindustriellen Zeitalter. Der Monat August war die Zeit, in der sich alles um die Getreideernte drehte. Diese lief ab wie seit Jahrhunderten: Mit Sense und Sichel wurden die Halme geschnitten und dann zu Garben zusammen gebunden.


Ehr
SeißenSensen
, de
hor´nschärfen, dengeln
se
Mit Håmer un
StrickStreichbrett, Wetzbrett
;
Nu sünd dat gewohr se:
De
RochRoggen
, de rööcht sik.

Nu secht de Kalenner:
Dat Wäder blifft got.
Nu binn´ se rod´ Bänner
An Seißen un Hot.

Nu vull man, recht vull man
Dat
Lechelhölzernes Trinktönnchen
, de Kiep!
Nu ümmer för dull man!
De Roch, is
dotriepüberreif, notreif
.

Wän meiht nu am besten,
Wän meiht dat best
Schwåd"Schwade", Streifen gemähten Korns
?
De schall ok nich dösten,
De kricht duwwelt Måt.

Nu wiest mi dat, Kinner!
Nu wiest mi dat mal:
Wän kümmt as flinkst Binner
Toierst dat Schwåd dål?

Vördrägenvorantragen
vör all se
Schall s´ nåst ok den
KranzErntekranz
,
Un vördanzen schall se -
Juch, Sünndag ward danzt!


Der originale Text des Erstdrucks mit einer Wort-für-Wort-Übersetzung: niederdeutsche-literatur.de/texte 〉〉.