Facetten des Niederdeutschen

Schnipsel


Groth-Jahr 2019 (38.) Festakt im Kieler Landtag




Über 100 Gäste begingen am 17. September 2019 den 200. Geburtstag des Dichters Klaus Groth im Plenarsaal des Landeshauses.

"Der Plenarsaal sei ein würdiger Ort, um an den Menschen zu erinnern, der mit seinem dichterischen Schaffen immer einen zentralen Platz im Herzen der Schleswig-Holsteiner einnehmen werde, sagte Landtagspräsident Klaus Schlie.

Groths Lyriksammlung „Quickborn“ erhob das Niederdeutsche 1852 endgültig wieder zu einer Literatursprache von Rang. Als niederdeutscher Dichter verschaffte er der alten schleswig-holsteinischen Landessprache neuen Weltruhm. Bis heute werden Klaus Groths niederdeutsche Gedichte und Erzählungen aufgelegt und gelesen. Seine hochdeutsche Lyrik ist durch Vertonungen von Johannes Brahms im Gedächtnis geblieben.

Heimat in den Herzen der Menschen
Parlamentspräsident Schlie und der Vorsitzende der Klaus-Groth-Gesellschaft Robert Langhanke hoben in ihren Grußworten die Bedeutung des Dichters für die niederdeutsche Sprache und für Schleswig-Holstein hervor. „Seine Werke sind im besten Sinne zeitlos“, erklärte Schlie. „Wer Klaus Groths Gedichte heute liest, dem steht die norddeutsche Landschaft – ­ auch die ,Seelenlandschaft` – ganz unmittelbar vor Augen.“ Neben vielen Auszeichnungen bereits zu Lebzeiten sei die wohl wichtigste, dass Groth, der 1899 in Kiel verstorben war, auch 200 Jahre nach seinem Geburtstag so vielen Menschen im Norden noch vertraut sei, sagte der Landtagspräsident. „Das ist der wohl schönste Ruhm, den ein Dichter ernten kann: in den Herzen der Menschen auch viele Generationen nach seinem Tod noch eine Heimat zu haben.“
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Robert Langhanke begrüßte die Gäste gleich im Anschluss. „Klaus Groth gebührt das große Verdienst, die alte Landessprache Niederdeutsch in einem einmaligen Projekt wieder zu einer Literatursprache erhoben zu haben, die dem ästhetischen Vergleich mit anderen Literaturen standhält und das Konzept einer niederdeutschen Literatur fest verankerte.“ Unter den Dichtern des Landes nehme der Dithmarscher Klaus Groth einen der ersten Plätze ein, wenn nach Spiegelungen von Sprache und Region gefragt werde, so Langhanke. Er hob die Bedeutung des Werkes noch einmal hervor: „Die durch die niederdeutschen Texte Klaus Groths erzielte Wirkung für die niederdeutsche Sprache und damit für die Sprecherinnen und Sprecher, für die Menschen in Schleswig-Holstein und überall dort, wo die Texte gelesen werden, ist unübersehbar groß.“

Für den Festvortrag konnte der Göttinger Literaturwissenschaftler Professor Heinrich Detering gewonnen werden. Von 2011 bis 2017 war Detering Präsident der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung. Detering stellte unter der Frage „Klaus Groth im 21. Jahrhundert?“ umfassende „Überlegungen zur Gegenwärtigkeit seines Werkes“ an. Dabei rückte der Vortragende eine besonders aktuelle Facette in den Vordergrund: „Klaus Groths Gedichte zeigen das Globale im Lokalen. Sie stehen dabei im Zeichen einer großen und zu selten wahrgenommenen ökologischen Sensibilität: eines bewussten Mitseins mit Pflanzen und Tieren, einer Wahrnehmung des Menschen als eines Geschöpfes unter Geschöpfen, einer Wahrnehmung auch der Gefährdungen im anbrechenden Industriezeitalter. Diese Dichtungen haben uns Zeitgenossen des 21. Jahrhunderts ganz gewiss nicht weniger zu sagen als den Zeitgenossen Groths.“

Quelle: www.landtag.ltsh.de/nachrichten