Facetten des Niederdeutschen

Schnipsel


utklamüüstern / klamüsern




Klamüüstern (klamüsern, kalmüsern) bedeutet `grübeln, sinnen, nachdenken´. Wenn man dabei zu einem Ergebnis kommt (oder vor Augen hat) spricht man von utklamüüstern `herausfinden, ersinnen, austüfteln´.
Das Wort ist seit dem 16. Jahrhundert nachgewiesen, stammt aber nicht aus dem Mittelniederdeutschen, sondern aus dem Jiddischen, von wo es in das Rotwelsche eingegangen ist. Nach Wolfgang Pfeifer liegt dem rotwelschen Kammesierer ‘gelehrter Bettler’, das Jiddische komaz ‘nehmen (mit voller Hand)’ und kamzon ‘Geizhals’ zugrunde, das wohl von lat. calamus ‘Rohr, Schreibrohr, Feder’ beeinflusst ist.
In niederdeutschen historischen Wörterbüchern ist klamüsern 1767 in "Eberhard Tiling: Versuch eines bremisch-niedersächsischen Wörterbuchs" (mit gewagter Herkunftsvermutung, s. Faksimile) bezeugt, dann 1781 für Rügen von Dähnert unter kalmüsern.
In neueren Wörterbüchern findet es sich für den gesamten niederdeutschen Bereich: Im Nordniederdeutschen meist als klamüüstern (Sass, Lindow, Mensing, Hamburgisches Wörterbuch), aber auch als klamüsern, so wie in Ostfriesland, Westfalen und im Ostfälischen. Im Mecklenburgischen gibt daneben auch die verkürzte Form klüüstern, auch bei Fritz Reuter.
Die Form utklamüsern wurde 2019 zum plattdeutschen Wort des Jahres gewählt.

Alle Belege und weitere Information siehe Digitales Wörterbuch Niederdeutsch 〉〉