Facetten des Niederdeutschen

Schnipsel


INS-Vorstand: Weihnachtsgrüße 2016


Liebe Mitglieder, leve Frünnen vun dat Institut för de nedderdüütsche Spraak,

2016 war das dunkelste Jahr in der Geschichte des Instituts für niederdeutsche Sprache. Im Mai teilten Vertreter des Bremer Kultur-Ressorts dem Vereinsvorstand im Namen der vier geldgebenden Länder mit, dass der Finanzierungsvertrag zum Ende des Jahres 2017 gekündigt werden würde. Als Begründungen führte man den „demographischen Wandel“, eine „sich rasch wandelnde Medienlandschaft“ sowie „regional unterschiedliche Bedürfnisse“ an. Später war auch von „Vor-kommnissen“ und „Unregelmäßigkeiten in der Geschäftsführung“ die Rede. Ohne Nachweis und Konkretisierung wurden die INS-Verantwortlichen in unwürdiger und ehrabschneidender Weise diffamiert.
Unter solchen Umständen ist es nicht leicht, die „eigentliche“ Arbeit effektiv und zielgerichtet fortzuführen. Intensiv hat sich das INS an den Vorbereitungen und Auswertungen der großen repräsentativen Umfrage zum Stand des Niederdeutschen im Jahr 2016 beteiligt; dieses Projekt führte das INS mit Bundesmitteln und in Kooperation mit dem Institut für Deutsche Sprache durch. Eine Broschüre mit den wichtigsten Ergebnissen kann ab sofort beim INS angefordert und auf der Homepage heruntergeladen werden. Erscheinen konnte mit tatkräftiger Unterstützung durch das INS auch der erste an aktuellen Standards ausgerichtete Platt-Sprachkurs für Erwachsene: „Platt. Dat Lehrbook“ von Hartmut Arbatzat. Und schließlich wird eine zweibändige Geschichte der niederdeutschen Literatur von 1945 bis 2015, geschrieben von Reinhard Goltz und Dieter Möhn, noch in diesem Jahr erscheinen.
Nachdem die Ankündigung der Länder öffentlich geworden war, die Förderung des INS zu beenden, gab es zahlreiche Protestaktionen. Dabei waren wir auf vielfältige Unterstützung angewiesen. Viele Gespräche mit Politikern und Verwaltungsvertretern wurden geführt, Resolutionen formuliert und Briefe verfasst. In den zuständigen Ministerien und Staatskanzleien gingen Hunderte Protestnoten ein, eine Fülle von Argumenten für eine Fortsetzung der Finanzierung und damit für den Erhalt der Arbeitsfähigkeit des INS wurde bemüht.
Wir danken allen Personen und Organisationen, die sich für das INS eingesetzt haben, von Herzen. Die Reihe der Unterstützer reicht vom Verein für niederdeutsche Sprachforschung über den Schleswig-Holsteinischen Heimatbund und die Bevensen-Tagung bis hin zur Fritz-Reuter-Gesellschaft sowie vielen engagierten Privatpersonen. Allein Lydia Bohling aus Bremerhaven hat über 2.400 Unterschriften gesammelt. Eine Online-Petition, aufgesetzt vom Verein „De Plattdüütschen“ aus Düdenbüttel, hat über 3.000 Befürworter gefunden.
Als Vorstand des INS haben wir sehr lange (vielleicht zu lange) darauf gesetzt, dass es gelingen müsste, die Entscheidungsträger mit Sachargumenten eines Besseren zu belehren. Denn wir wissen aufgrund der täglich an uns gerichteten Anfragen und der Projekte, in die wir eingebunden sind, wie enorm wichtig die kontinuierliche und kompetente Arbeit für das Plattdeutsche ist. Doch wir mussten feststellen, dass es nie um unsere Arbeit bzw. um Schwerpunktsetzungen gegangen war. Woran aber soll man ein Sprachinstitut messen, wenn nicht an seiner Arbeit?
Wie geht es nun weiter mit dem INS? Der Verein bleibt bestehen, auch wenn ab 2018 möglicherweise keine Fördergelder von den Ländern mehr zur Verfügung stehen. Auswirkungen hat dies auf die beim Verein angestellten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, deren Arbeitsplätze dann nicht mehr finanziert werden können. Wie die Aufgaben und Zielrichtung des Vereins unter den neuen Bedingungen in Zukunft aussehen, ist zu diskutieren. Wahrscheinlich wird der Verein sich umstrukturieren müssen. Das wird ein Gegenstand auf der Jahresversammlung 2017 sein, die am 17. Juni stattfindet.

De Wiehnachtsfier in’t INS fallt düt Johr ut, de Wiehnachtsbreef is teemlich düüster un de Tokunft för dat INS un för de Mitarbeiders süht opstunns nich goot ut. Liekers: Wi wüllt na vörn kieken un wünscht all uns Liddmaten kommodige Wiehnachtsdaag un allens Gode för dat nee’e Johr!

Christiane Ehlers un Reinhard Goltz för den Vörstand