Facetten des Niederdeutschen

Schnipsel


Sprachgeschichte: Niedergang des Niederdeutschen in der Neuzeit


Mit dem Niedergang der Hanse verschwindet auch das Niederdeutsche aus dem öffentlichen Raum. Der Prozess ist nicht von außen aufgezwungen, sondern die Niederdeutschen selbst wollen es so:
Sie holen z. B. Kanzleibeamte, die das neue (Hoch-)Deutsch, das Meißnerische, beherrschen in die Hansestädte, um den Übergang zu beschleunigen.
Das Niederdeutsche wird eine "amputierte" Sprache, der Kern des Mittelniederdeutschen ist verloren gegangen: die öffentliche Sprache der Gesetze, Verträge usw.
Genauer gesagt: Das Mittelniederdeutsche hört auf, überhaupt Sprache zu sein. Die überwölbende Schriftsprache ist nicht mehr Mittelniederdeutsch sondern Hochdeutsch. Niederdeutsch besteht aus den vielen Mundarten.
Und diese sind eine private Angelegenheit. Weder im staatlichen, politischen Raum (um es mit heutigen Begriffen auszudrücken), noch im Schulwesen, bald auch nicht mehr in der Kirche wird Niederdeutsch gesprochen.

Im privaten Bereich dagegen dominiert Niederdeutsch, anfangs selbst in den Familien der städtischen Patrizier. Aber auch hier verliert Niederdeutsch an Bedeutung.
Heute wächst (fast) kein Kind mehr in einer niederdeutsch sprechenden Familie auf, in den Elternhäusern der Kinder ist Niederdeutsch keine Umgangssprache mehr.