Facetten des Niederdeutschen

Schnipsel


Sprachgeschichte: Dialekte, fast jedes Dorf hat seinen eigenen: Beispiel Altmark Mitte 19. Jh.


"Da das Plattdeutsche seit Jahrhunderten aufgehört hat, Schriftsprache zu sein, so fehlt auch das gemeinschaftliche, das Ganze umschlingende Band (...) Selbst die etwa 80 Quadratmeilen grosse Altmark bietet in dieser Hinsicht nicht unbedeutende Verschiedenheiten besonders Hinsichts der Vokalisation dar, ja, es giebt einzelne Dörfer, die sich von anderen benachbarten darin unterscheiden, auch manche Ausdrücke und Wendungen sind oft räumlich sehr beschränkt. (...) Am eingenthümlichsten ist die Vokalisation im nordwestlichen Theil von Salzwedel nach Diesdorf zu in dem sogenannten Hans-Jochen-Winkel, der sich auch sonst von den übrigen Theilen der Altmark vielfach unterscheidet, indem er am längsten sich vor dem Einfluss städtischer Civilation geschützt hat. In diesem Winkel findet man eine Menge von Diphthongen, mehrere Triphthongen, selbst Quadriphthongen, die nur der Mund des Eingeborenen auszusprechen im Stande ist. Selbst der, welcher des Plattdeutschen recht mächtig ist, kann sich mit einem Hansjochen-Winkler schlecht verständigen, und dem südlichen Bewohner der Altmark würde diese Mundart als eine fremde Sprache erscheinen."
(Johann Friedrich Danneil: Wörterbuch der altmärkisch-plattdeutschen Mundart.)
Danneil 1859 S. V - VI