Facetten des Niederdeutschen

Schnipsel


Das Online-Wörterbuch von Wolfgang Lindow


Im September 2011 beauftragte mich das „Institut für niederdeutsche Sprache“, ein Online-Wörterbuch auf der Basis des „Plattdeutsch-Hochdeutschen Wörterbuchs von Wolfgang Lindow“ zu erstellen. Fristgemäß war das Wörterbuch am 31. 12. 2011 auf der Site des INS im Internet verfügbar. Das INS jedoch weigerte sich, mir das vereinbarte Honorar zu bezahlen, löschte den Zugang zum Wörterbuch und log dreist, das Online-Wörterbuch habe es im Internet niemals gegeben. Ich musste mir mein Honorar vor Gericht erstreiten.

Für eine Institution, die öffentlich finanziert wird und bis dato als seriös galt, ein zumindest recht bemerkenswerter Vorgang.

Ich habe die Vorgänge damals in einem Offenen Brief bekannt gemacht und auf meiner Site dokumentiert. Und dann? Im Jahresbericht des INS gibt es keinen verlorenen Prozess, die plattdeutsche Öffentlichkeit schweigt und das INS unterdrückt weiterhin das Online-Wörterbuch.

Die plattdeutsche Szene hat sich im letzten Jahrzehnt dramatisch verändert. Hatte sich zuvor das INS durch rationalen Diskurs und solidarische Förderung des Plattdeutschen ausgezeichnet, wird es jetzt quasi nach Gutsherrenart geführt und insgesamt herrscht zunehmend Intoleranz. Reimer Bull, der vielleicht letzte bedeutende plattdeutsche Autor, hat schon vor den Ereignissen um das Lindow-Wörterbuch privat von den „niederdeutschen Ayatollahs“ gesprochen (s. Quickborn,2012,4,35).

Übertrieben? Immerhin: Es werden nicht nur viele Arbeitsstunden investiert und große Summen (des Steuerzahlers!) in die Hand genommen, um ein Werk des Mit-Gründungsvaters des INS nicht erscheinen zu lassen, sondern auch, wie jüngst öffentlich wurde, um eine missliebige Person aus dem Dienst zu entfernen, immerhin auch ein Geschäftsführer des INS, Dr. Frerk Möller. Und das sind nur die herausragenden Taten.

Der Fisch stinkt bekanntlich vom Kopf!

(Erstfassung: 25.02.2016)