INS-Wahrheiten

Im September unterschrieben das INS und ich einen Vertrag zur „Erstellung eines Online-Wörterbuchs auf der Basis der 5. Aufl. (1998) des Plattdeutsch-Hochdeutschen Wörterbuchs von Wolfgang Lindow":

Auszug aus dem Vertrag

Die juristische Auseinandersetzung begann das INS mit einem Schreiben ihres Rechtsanwalts vom 22.12.2011, das mich pünktlich am Heiligabend erreichte.

INS 1: Die Site www.ins-db.de ist gar nicht geeignet für das Wörterbuch.

INS: „Im vorliegenden Fall ergibt sich die Besonderheit, dass die Site www.ins.db.de für die Einstellung des Wörterbuches nicht geeignet ist. Da Sie mit der Materie auch vorher befasst waren, hätte Ihnen dieses bei Abschluss des Vertrages bewusst sein müssen.“ (22.12.2011)

Gemeint ist hier, dass ich mit E-Mail vom 04.11.2011 darauf hingewiesen hatte, dass für die Einstellung des Online-Wörterbuches die Site www.ins-db.de um eine Datenbank erweitert werden müsse.

Wahr ist sicherlich, dass das INS davon ausgegangen ist, dass ich der Meinung war.

Richtig ist jedoch auch: Der Provider der Site www.ins-db.de hatte bereits Monate zuvor die Site auf insgesamt 10 Datenbanken erweitert. Es kann als ausgeschlossen gelten, dass der Provider eine so umfassende Erweiterung dem INS nicht mitgeteilt hat. Das INS muss also - im Gegensatz zu mir - gewusst haben, dass es überhaupt kein technisches Problem gibt! Ich habe erst durch Recherche auf der Site am 24.12.2011 von der Erweiterung erfahren.

Aber einmal den Fall angenommen, diese Informationen seien innerhalb des INS verschlampt und niemals beim Sachbearbeiter angekommen: Es handelt sich nicht um eine technische Nichteignung, sondern um die Weigerung des INS, die im Vertrag festgelegten Ziele umzusetzen. „Technisch“ besteht die Erweiterung letztlich aus einem Mausklick auf der Seite des Providers. Die Weigerung des INS dies zu tun (oder - was ich angeboten hatte – mich tun zu lassen) hätte erst die angebliche Nichteignung der Site bewirkt.

INS 2: "Einem äußerst begrenzten Adressatenkreis einen Einblick in ??? ermöglicht".

Da ich - nach subjektiver Einschätzung - keine Vorabversion auf dem INS-Server installieren konnte, installierte ich sie auf meiner Internetseite und teilte diese Domain dem INS am 13.12 2011 mit. Von diesem Tag an war das Wörterbuch, von wenigen Stunden abgesehen, bis Mitte Januar 2012 passwortgeschützt für das INS einzusehen. Am 31.12.2011 teilte ich dem INS mit, dass das Wörterbuch nun abgeschlossen sei und unter dem neuen Passwort „workdone“ eingesehen werden könne.

Daraus wird: Peter Hansen „hat, wie zwischenzeitlich festgestellt werden konnte, lediglich am 31.12.2011 um 9.31 Uhr morgens eine Mail an Herrn Prof. Peters an der Uni Oldenburg gerichtet, in der er Herrn Prof. Peters mitteilte, dass das Wörterbuch besichtigt werden kann unter www.lindow.plattbiblio.de Benutzer INS Bremen, Passwort workdone. Wie Sie daraus erkennen können, hat er es nicht dem Auftraggeber übergeben, sondern vielmehr einem äußerst begrenzten Adressatenkreis einen Einblick in ??? ermöglicht.“ (INS 30.01.2012)

Zwischenzeitlich festgestellt: der "äußerst begrenzte Adressatenkreis":
E-Mail vom 31.12.2012
In den Tagen davor hatte ich die fertigen Datenbanken auf dem Server www.ins-db.de installiert und am 31.12. das letzte PHP-Skript, das Impressum.

INS 3: "In diesem Zusammenhang wird bestritten, dass das Wörterbuch im Internet verfügbar war". (03.07.2012)

INS: „Die Umsetzung sollte auf der Site www.ins.db.de erfolgen, die Leistung war bis zum 31.12.2011 zu erbringen. Dieses Werk ist bis zum 31.12.2011 nicht erbracht worden... (Es) ist nichts da, was mein Mandant abnehmen könnte“. (INS, 30.01.2012)

Als das INS diese Behauptung aufstellte, hatten sich INS-Mitarbeiter das Wörterbuch mehrfach angesehen (lt. Zugriffsprotokoll vom 12.01.2012), am Tag darauf wurde mir der interne Zugang zur Site gesperrt, und am 19. 01.2012 um 20.09 Uhr durch Leerung der Index-Datei für alle der Zugang von außen unmöglich gemacht.

INS "... hat meine Mandantschaft sogar sichergestellt, dass Außenstehende keinen Zugang zu den Daten haben, um zu gewährleisten,dass das Werk, das nicht von ihr abgenommen wurde und nicht fristgerecht erstellt wurde, genutzt wird." (21.03.2012)

Es wird also hier nicht bestritten, dass das Wörterbuch vorlag, sondern behauptet, dass es nicht "fristgerecht" am 31. 12. 2011 verfügbar war. Den Beweis dafür bleibt das INS schuldig. Weil es sich ja nicht um ein Fixgeschäft handelte, spielt das letztlich auch keine große Rolle mehr. Dass es Anfang Januar im Internet war und dann vom INS unzugänglich gemacht wurde, hat auch die stellvertretende Vorsitzende in der mündlichen Verhandlung vor Gericht bestätigt.

Das Bremer Landgericht: "Der vereinbarte Erfolg bezog sich auf das Erstellen eines Onlinewörterbuchs für die Internetseite des Beklagten auf der Basis der fünften Auflage des Wörterbuchs von Wolfgang Lindow. Dieses Onlinewörterbuch war unstreitig jedenfalls zu Beginn des Jahres 2012 auf der Domäne des von dem Beklagten betriebenen Instituts vorhanden. Soweit dies zwischenzeitlich nicht mehr der Fall ist, ist dies darauf zurückzuführen, dass der Beklagte, wie die zweite Vorsitzende im Termin zur mündlichen Verhandlung ausdrücklich bestätigte, den Zugriff hierauf gesperrt hat."

Noch eine Anmerkung: Im Rechtsstreit habe ich ausführlich dargelegt, dass die Datenbank, die den Kern des Wörterbuchs bildet, am 29.12.2011 abgeschlossen wurde (Eintrag des letzten plattdeutschen Stichworts am 29.12.2011 um 13:54 Uhr). Diese Daten werden mittels PHP-Skripts abgerufen und auf der Internet-Oberfläche sichtbar gemacht. Diese Skripts lagen bis auf eines schon am 24.12.2011 auf dem Server, was sich an der Verzeichnisstruktur der Dateien belegen lässt. Am 31.12. um 9:17:57 Uhr übertrug ich als letzte Datei das Impressum.

Statt den Beweis hier noch einmal zu führen, greife ich auf die Daten zurück, die das INS selbst am 07.09.2012 im Rechtsstreit vorgelegt hat (als Anlage abgedruckt ). Diese Statistik zeigt, dass zwischen dem 24.12.2011 (erste Installation) und dem 13.01.2012 (dem Tag, als mir der Zugang gesperrt wurde) insgesamt 5,605 Megabytes auf den Server geladen wurden, davon lagen nach den eigenen Zahlen des INS am 31.12.2011 99,91 Prozent vor (5,600 MB ). Im Januar habe ich noch eine Sicherungskopie angelegt.

INS 4: Fixgeschäft ...

Vom INS wird behauptet: „Es handelte sich um ein zeitlich befristetes Projekt, das automatisch entfällt, wenn die Zeit abgelaufen ist.“ (30.01.2012). Es wird mehrfach wiederholt, dass es sich um ein sogenanntes Fixgeschäft handele. Eigentlich kann jeder Laie erkennen, dass die Voraussetzungen eines Fixgeschäfts nicht vorliegen. Das Bremer Landgericht ist im Urteil eindeutig: Kein Fixgeschäft!

INS 5: ... hat Herr Hansen selbst bestätigt.

„Im Übrigen ist Ihrer Mandantschaft bekannt, dass es sich hier um ein Fixgeschäft handelte, dessen Fertigstellung nicht fristgerecht erfolgte, was Ihr Mandant übrigens ausdrücklich auch gegenüber weiteren Personen bestätigt hat“. (21.03.2012)

Natürlich habe ich solche Äußerungen nie gemacht. Gemeint sein kann nur eine Vorstands- und Beiratssitzung der Vereinigung „Quickborn“, bei der kein Vertreter des INS anwesend war. Interessant ist, dass das INS zu solchen "Hinten-herum"-Argumenten meint greifen zu müssen.

Der interne Vorgang in der Vereinigung „Quickborn“ ist hier nicht Thema, gehört aber dazu. Ich habe für den Quickborn den Internetauftritt gestaltet. Meine zuvor hochgelobte Arbeit wurde nun plötzlich in Zweifel gezogen, mir blies der Wind so stark ins Gesicht, dass ich ausgetreten bin. Dank an dieser Stelle für das "groot Beduern"! Seit Anfang April 2012 hat der „Quickborn“ keinen wirklich aktualisierten Internetauftritt.

INS 6: Die Daten sind auf einer CD zu übergeben.

„Der Kläger weigerte sich auch, die Daten entsprechend zur Verfügung zu stellen, damit diese vom Administrator des INS hätten eingestellt werden können.“ (INS 03.07.2012) Mit „entsprechend“ ist die Übergabe einer CD mit den Daten gemeint. Ich hätte demnach gar nicht die Aufgabe gehabt, ein Online-Wörterbuch zu erstellen, sondern eine CD zu überreichen, damit das INS daraus ein Online-Wörterbuch macht! Weder im Vertrag noch in der Diskussion vor dem 15.12.2012 wurde eine solche Forderung gestellt. Am 5. 12.2011 macht das INS lediglich den Vorschlag (!), dass ich eine Vorabversion (!) auf CD übergebe, damit geprüft werden könne, ob das Werk geeignet sei und danach installiert werden könne.

aus dem Schreiben des INS vom 5.12.2011

Ich wies damals darauf hin, dass man eine Datenbank samt Skripts nicht ansehen kann, ohne sie vorher zu installieren, es damit - mit Verlaub - eine unsinnige Forderung war.

meine Antwort betr. Vorab-CD
Und dass ich eine CD mit der endgültigen Version übergeben sollte, davon war vor dem 31.12.2011 erstmalig in einem Vertragsentwurf des INS ("Ergänzung zum Werkvertrag vom 14.09.2011") (vom 15.12.2011) die Rede. Da es sich um keine Ergänzung sondern um eine Änderung handelte, habe ich ihn nicht unterschrieben.

Trotzdem wurde danach umso lauter behauptet, ich wäre verpflichtet gewesen, eine CD zu liefern - als letztes "Argument", das dem INS überhaupt noch blieb!

Das Gerichtsurteil ist in der Frage der CD eindeutig: "Eine Vereinbarung dahingehend, dass diese in jedem Fall geschuldet sei, lässt sich aus dem Vertragstext nicht entnehmen."

Das Bremer Landgericht bescheinigt dem INS unprofessionellen Umgang mit Fördermitteln in Bezug auf diesen Fall. Wenn man unterstellt, das INS wollte den Vertrag zur Erstellung des Online-Wörterbuchs auf der Basis des "Lindow" tatsächlich erfüllen, ist es mindestens das.

Der eigentliche Grund dürfte in der Vorgeschichte liegen: Es war ein Projekt eines Geschäftsführers, der im August 2011 schwer erkrankte, so dass er das Projekt nicht weiter begleiten konnte.

[Zitate aus Schreiben des Rechtsanwalts des INS mit dem angegebenen Datum]
Offener Brief > > >
Das Gerichtsurteil > > >
INS "kündigt" alle Vereinbarungen zur PBuB > > >